Volkstrauertag Thema in der Bürgersprechstunde am 1. September

Nach dem Ende der Sommerpause findet am 01.09.2023 um 18.00 Uhr wieder eine Bürgersprechstunde des Ortsrates statt. In der Bürgersprechstunde soll mit allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern das Thema „Zukunft des Volkstrauertages“ diskutiert werden.

Im Mai wurde in der Ortratssitzung ein Antrag für eine gemeinsame Gedenkveranstaltung in FHKS mit wechselnden Standorten abgeleht. Dazu veröffentlichten NDZ und Dewezet jeweils einen ähnlichen Artikel (s. u.). Dieser Artikel wiederrum war Anlass für zwei Bürger unserer Dörfer, den Ortsrat für den Umgang mit diesem Thema zu kritisieren und eigene Vorstellungen einzubringen. Die Bürgersprechstunde soll nun allen Interessierten den Rahmen bieten, Ideen und Wünsche zur Zukunft des Volkstrauertages auszutauschen und zu erörtern.

Nachfolgend der Artikel aus der NDZ vom 19.05.2023, da er wahrscheinlich nicht mehr für alle verfügbar ist:

Gedenkkultur: Tradition bis zum Ende
Sitzung in Flegessen: Eine Veränderung der Abläufe zum Volkstrauertag kommt für den Ortsrat nicht infrage

FLEGESSEN/KLEIN SÜNTEL. Eine gemeinsame Gedenkveranstaltung, im jährlichen Wechsel an Denkmälern in Klein Süntel und in Flegessen: Mit seinem Vorstoß im Ortsrat von Flegessen, Hasperde und Klein Süntel, den Volkstrauertag in den drei Orten neu zu beleben, ist Ortsratsmitglied Peter Lehmann krachend gescheitert. Doch warum eigentlich?

Lehmanns Antrag sah vor, als Reaktion auf die zuletzt nur noch sehr niedrigen Teilnehmerzahlen an den Veranstaltungen zum Volkstrauertag das bisherige Konzept zu verändern. Bislang wurde am Denkmal in Klein Süntel ein Kranz niedergelegt, am Denkmal in Flegessen ein Kranz niedergelegt, in Hasperde gab es – in Ermangelung eines Denkmals – keine Veranstaltung. „Flegessen, Hasperde und Klein Süntel verstehen sich immer mehr als Dörfergemeinschaft“, erklärte Lehmann und verband damit die Hoffnung, dass eine gemeinsame Veranstaltung zum Volkstrauertag nicht nur besser besucht würde, sondern auch die Einwohner Hasperdes einbeziehen würde.

Lehmann hatte seinen Antrag noch nicht erläutert, da gab es bereits die erste Reaktion: Ortsbürgermeister Cordt-Hinrich Piephoh machte deutlich, dass das Ansinnen als „pietätlos den noch lebenden Angehörigen gegenüber“ empfunden werde. Die Feuerwehr Klein Süntel würde es ablehnen, nur jedes zweite Jahr einen Kranz niederzulegen. „Der Volkstrauertag gibt uns zudem einen Handlungsauftrag, uns für eine friedliche Gegenwart und Zukunft einzusetzen. Er erinnert an die vergangenen und heutigen Kriege und schafft ein Bewusstsein dafür, dass wir uns für den Frieden einsetzen müssen. Ich möchte nicht der erste Ortsbürgermeister in Flegessen, im Stadtgebiet und im Landkreis sein, der diese Tradition verändert“, erklärte Piephoh.

Lehmann erläuterte, dass er deutliche Unterschiede in den Generationen zum Thema Volkstrauertag wahrnehme – die Jüngeren hätten zu dem Thema nur noch wenig Bezug. Bei den Veranstaltungen zeige sich, dass es nur noch ein sehr eingeschränkter Personenkreis sei, der daran teilnehme.

In diese Richtung argumentierte auch Ulrich Schneider. „Ich habe keinen Bezug zu dieser Veranstaltung. Das Thema des Gedenkens der Opfer von Kriegen ist wichtig, aber ich habe das Gefühl, dass das Format hier stattfindet, ist nur Tradition. Die Generation, der das wichtig ist, stirbt langsam aus“, betonte er. Seine Auffassung: „Mit einem anderen Format würde man vielleicht mehr Menschen locken können. Aber so, wie das abläuft, interessiert es kaum noch jemanden.“

In der Diskussion gewann schließlich der Aspekt der Bezahlung der an zwei Denkmälern niederzulegenden Kränze die Oberhand – und drängte andere Aspekte beiseite. Und so war die Liste der nicht beantworteten Fragen im Zusammenhang mit Veranstaltungen zum Volkstrauertag schließlich lang: Der Handlungsauftrag für den Einsatz für eine friedliche Gegenwart und Zukunft, die Mahnung vor den Schrecken des Krieges, die aktuell nur wenige Autostunden von Flegessen und Klein Süntel entfernt täglich wüten – kein Thema. Die Frage, wie Jugend und junge Erwachsene einbezogen werden können, um Gedenkveranstaltungen künftig die Botschaft „Nie wieder Krieg“ transportieren zu lassen – kein Thema. Lehmann bedauerte das, doch in der Abstimmung wurde sein Vorstoß von allen anderen Ortsratsmitgliedern abgelehnt – wobei Ulrich Scheider deutlich machte, dass er ihm noch nicht weit genug ging.

Das Thema Gedenkkultur in Bad Münder hatte vor zwei Jahren das Museumsteam in Bad Münder in den Blick genommen und es an den im Stadtgebiet vorhandenen Denkmälern, insbesondere aber am Ehrenmal auf dem Kernstadt-Friedhof, festgemacht. „Nichts ist so unsichtbar wie Denkmäler, an die man sich gewöhnt hat“, urteilte dabei Dr. Kai Witthinrich vom Museumsteam in einer Diskussionsveranstaltung. In der waren sich viele Teilnehmer darin einig, dass versucht werden soll, Jugendliche in die Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag einzubeziehen. Historiker Friedrich Huneke vom Historischen Seminar der Leibniz-Universität Hannover schilderte Erfahrungen aus seiner Arbeit in Hannover, wo genau das gelungen sei.

Quelle: NDZ, 19.05.2023

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